Samstag, 24. April 2010

So sah sie mal aus, die deutsch-schweizerische Grenze; und es ist noch gar nicht so lange her.


Ein Zaun trennte Konstanz von Kreuzlingen an dieser Stelle (Wiesenstraße). Seit die Schweiz dem Schengen-Abkommen beigetreten ist, ist die Grenze überall offen (Dez. 2008). Wo der Zaun war, können Fußgänger und Radfahrer jetzt durch. Es stehen jedoch noch ein paar Pfosten, so dass für Autos die Durchfahrt nach wie vor nicht möglich ist. Der rote Wagen, den man im Bild sieht, dürfte seinen bequemen Parkplatz verloren haben.
Kurios in diesem Bild ist, dass den Autofahrern, die hier gar nicht weiterfahren konnten, mitgeteilt wurde, dass sie hinter dem Zaun 5o km/h fahren dürften - und die Mitteilung erfolgte gleich doppelt:
a) durch das am Zaun befestigte Ortsschild, b) durch das noch vor dem Zaun stehende Schild mit der Angabe der Geschwindigkeitsbegrenzung.

Mittlerweile (Herbst 2010) sieht es an dieser Stelle so aus:


Der Zaun ist weg, aber Autos können nicht durchfahren.


An anderer Stelle in Konstanz ist der Zaun noch erhalten, wenn auch in gestutzter Form: und zwar zwischen dem Gottlieber Zoll und dem Rhein.


Er wurde 1940 errichtet, wie man noch auf dem Mauersockel, auf dem der Zaun steht, an einer Stelle noch lesen kann.


Wie der Zaun während der Zeit des Dritten Reiches (als er als "Judenzaun" bezeichnet wurde) aussah, kann man in dem Büchlein von Arnulf Moser, Der Zaun im Kopf - Zur Geschichte der deutsch-schweizerischen Grenze um Konstanz, Konstanz 1992, ISBN 3-87940-427-5, S.107 und S.111 nachschauen: Er hatte eine Stacheldrahtkrone, die heute natürlich nicht mehr vorhanden ist.
Zwischen Gottlieber Zoll und bis kurz vor dem Grenzstein 34 ist der Zaun als historisches Denkmal in seiner ursprünglichen Höhe erhalten.



Ab Grenzstein 34, wo der vorletzte bedeutende Knick in der Grenze ist, bis zum letzten Grenzstein 38 und darüber hinaus bis zum See-Rhein-Ufer verläuft der Zaun nur noch auf Brusthöhe und schützt vor allem die Gärten auf deutscher Seiten vor möglichen Eindringlingen von der Schweizer Seite her.
Die Grundstücksbesitzer auf deutscher Seite konnten sich so einen Gartenzaun ersparen.


Ein Nahbild von Grenzstein 36 zeigt, dass der Zaun wenige Zentimeter hinter der eigentlichen Grenze auf deutschem Gebiet steht.



Zum See-Rhein hin verschwinden die Gärten auf deutscher Seite, die Grenze nähert sich dem Saubach; und man findet ein Kuriosum aus der Zeit, wo die Zöllner noch streng entlang der Grenze kontrollierten und selbst natürlich nicht die Grenze überschreiten durften: einen Steg oberhalb des Saubach-Grabens genau hinter dem Grenzzaun. Hier gingen also die deutschen Zöllner entlang.


Schließlich endet der Grenzzaun recht unspektakulär am See-Rhein-Ufer, wobei die Mauer, auf der der Zaun steht, plötzlich Mannshöhe erreicht.



Der letzte Grenzstein (Nr.38) steht in einiger Entfernung vom Ufer und hat einen gewaltigen Sockel.
Alle Grenzsteine zwischen Gottlieber Zoll und See-Rhein-Ufer müssen neueren Datums sein. Man findet keine Jahreszahl 1839 und kein GB für "Großherzogtum Baden" wie auf den Grenzsteinen um den Kanton Schaffhausen herum. Das große S steht für "Schweiz". Auf der im Bild nicht sichtbaren entgegengesetzten Seite ist ein großes D für "Deutschland" zu vermuten.